Definition Bei der Sepsis handelt es sich um eine komplexe inflammatorische Wirtreaktion auf eine Infektion, die ursprünglich lokal begrenzt meist von Bakterien, seltener von Pilzen, Viren oder Parasiten verursacht worden ist. Die Invasion dieser Erreger oder deren Toxine in den Kreislauf von immungeschwächten Patienten führt zu einer septischen Erkrankung.
Typische Erreger Eine Sepsis wird in 30–40 % der Fälle von gramnegativen Bakterien, wie z. B. Escherichia coli und anderen Enterobacteriaceae (Klebsiella, Proteus, Enterobacter), Pseudomonas aeruginosa, Neisseria meningitidis, Bacteroides verursacht. Grampositive Bakterien, wie z. B. Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae und anderen Streptokokken kommen selten vor. Unterschiedliche Faktoren, wie z. B. Eintrittspforte und Lebensalter beeinflussen auffällig die Erregerwahrscheinlichkeit. Bei nosokomialen Infektionen, d. h. im Krankenhaus erworbene Infektionen, können auch fakultativ pathogene Erreger, wie z. B. Serratia, Hafnia und Candida albicans, Auslöser einer septischen Erkrankung sein.
Infektionsursprung Die Tatsache, dass 2/3 der septischen Erkrankungen nosokomialen Ursprungs sind, ist nicht nur auf mangelnde Hygienebedingungen zurückzuführen, sondern wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Aufgrund der Fortschritte in der operativen Technik steigt die Anzahl der komplizierten und schwierigen Operationen. Ebenso werden auch immer häufiger therapeutische Maßnahmen angewendet, die das Immunsystem negativ beeinflussen. Ein verstärkter Gebrauch von Antibiotika fördert die Zunahme multiresistenter Erreger. Das aufgrund der demographischen Entwicklung steigende, hohe Alter vieler Patienten ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Anhand von systematischer Erfassung, Analyse und Bewertung von Infektionsdaten will das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Surveillance von nosokomialen Infektionen die Häufigkeit dieser Infektionserkrankungen reduzieren, unterstützt wird das NRZ vom Robert Koch-Institut (RKI), die zentrale Einrichtung der Bundesregierung im Bereich Krankheitsüberwachung und -prävention.
Links: Nationales Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen Robert Koch Institut
Infektionsort Der Infektionsort kann überall im Körper lokalisiert sein. Am häufigsten ist bei einer schweren Sepsis die Lunge betroffen (Lungenentzündung). Nach einer Untersuchung von Angus et al. aus den USA konnten folgende Infektionsquellen der Sepsis identifiziert werden:
| Infektionsquelle |
Infektionen in % |
| Lungenentzündung |
44,0 % |
| Bakterien im Blut (positive Blutkultur) |
17,3 % |
| Infektion der Harnwege und Geschlechtsorgane |
9,1 % |
| Infektion der Bauchorgane |
8,6 % |
| Wund- und Weichteilinfektion |
6,6 % |
| Katheterinfektion |
2,2 % |
| Infektion des Nervensystems |
0,8 % |
| Herzklappenentzündung |
0,6 % |
| andere Infektionen |
10,8 % |
Quelle: [2] Angus, D. C. et al. (2001)
Eine Sepsis kann nicht anhand einzelner Parameter diagnostiziert werden. Deswegen werden septische Erkrankungen häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Eine Kombination unterschiedlicher Vitalparameter, Laborwerte, hämodynamischer Daten und Organfunktionen definiert das Krankheitskontinuum der Sepsis, der schweren Sepsis und des septischen Schocks.
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